Terrarienhaltung
St.
sthenodactylus (Foto Sebastian Schenk)
Maße und Besatz:
Gemäß Mindestgutachten des Ministeriums (1998) errechnet sich die Größe
eines Terrariums für bodenbewohnende Geckos mit 4x3x2 der Kopfrumpf-Länge
(KRL), für jedes weitere Tier sind 15 % der Grundfläche hinzu zu rechnen.
Persönlich dienen uns diese Angaben lediglich als vager Richtwert in Verbindung
mit der Gesamtlänge (GL) der zu haltenden Arten.
Empfehlenswert ist es pro Dünnfinger-Männchen mindestens 3, besser 5 (oder
mehr) Weibchen in einem Terrarium von mindestens 60 x 40 x 40 cm zu halten. So
verteilt sich die Aufmerksamkeit der recht aufdringlichen Kerlchen auf mehre
Weibchen, so dass diese nicht ganz so belastet werden. Zudem lassen sich die
benötigten Temperatur- und Feuchtigkeitsregionen, sowie Rückzugsmöglichkeiten
besser realisieren.
Eine Vergesellschaftung zweier Männchen in einem wesentlich größerem Terrarium
bei genügend Sichtschutz und guter Strukturierung ist nur bedingt machbar, da
die Engfingergeckos sich zwar nicht beißen, treffen sie jedoch aufeinander,
erfolgen Drohgebärden; häufig sind auch Anzeichen von Verfolgungsjagden und
Rangeleien zu erkennen, die bei den empfindlichen Tieren zu enormem Stress
führen.
Terrarieneinrichtung:
Der Bodengrund besteht aus einer relativ hohen Schicht
Sand-Lehmgemisch, dazu sind Korkrindenstücke und Äste/Wurzeln, Steine und
kleine Höhlen als Verstecke eingebracht.
Entgegen vieler Literaturangaben klettern Stenodactylus auch häufig auf den
angebotenen nicht zu steilen, aber gut strukturierten sandrauhen Rück- und
Seitenwänden.
Insbesondere halten sich unsere Stenodactylus sthenodactylus gerne in den dort
eingebauten schmalen Spalten auf, die ihnen Deckung und Schutz bieten.
Evt. Steinaufbauten sind -wegen der Gefahr des Unterbuddelns durch die Pfleglinge-
unbedingt penibel gegen Einstürzen zu sichern !
Unter einem Spotstrahler sollte sich ein Stein oder eine Steinplatte befinden,
welche/r sich in der Strahlungswärme aufheizen und als Sonnenplatz dienen kann.
Ebenso ist eine etwas feuchtere und kühlere Ecke (ca. 22 – 25° C) im Terrarium
zu schaffen. Eine kleine, sehr flache Wasserschale (Gefahr des Ertrinkens !),
sowie Thermo- und Hygrometer sollten nicht fehlen.
Temperaturen & Beleuchtung:
| tagsüber |
lokaler Sonnenplatz |
nachts |
| ~ 25-28° C |
38 - 45° C |
~18 - 22°C (Zimmertemperatur) |
Eine zeitweise, etwas stärkere Nachtabkühlung
mindert den Paarungstrieb etwas,
so dass die Weibchen auch zwischendurch zur Ruhe kommen.
- Winterruhe ca. :
4-8 Wochen (davon etwa 4 Wochen deutlich unter 20°)
Im Terrarium befindet sich ein 40 Watt-Wärmespot in einer abwinkelten Fassung,
zusätzlich sollte das Terrarium durch eine Leuchtstoffröhre oder eine andere,
weitere Lichtquelle ausgeleuchtet werden. Für die dämmerungsaktiven Geckos ist
keine UV-Bestrahlung notwendig.
Je nach Jahreszeit variiert die Beleuchtungsdauer zwischen 8 und 14 Stunden,
während der Winterruhe fehlt sie gänzlich. Der natürliche Tag/ Nachtrhythmus
wird lediglich durch das einfallende natürliche Tageslicht simuliert.
Luftfeuchtigkeit:
| tagsüber |
nachts |
| ~ 35 - 50 % rel. LF |
~ 60 - 75 % rel. LF |
Es wird etwa alle 2 Tage abends (immer von der gleichen Seite des Terrariums)
gesprüht, so dass verschiedene Feuchtigkeitszonen entstehen, beide Ecken dieser
Terrarienseite werden jedoch dauerhaft feucht gehalten.
Ernährung (insectivor):
- kleine Grillen oder Heimchen, Ofenfischchen, Spinnen, Nachtfalter, Schaben,
Mikroheuschrecken, Fliegen etc.. Die Größe der Futtertiere sollte entsprechend
der geringen Größe der Geckos angepasst sein.
- Es ist sehr wichtig, die Futtertiere vitaminreich zu ernähren, aber auch den
‚Wüsten’-Zwerggeckos regelmäßig ein Vitamin-Mineralien-Produkt zukommen zu
lassen.
Für die Supplementierung empfiehlt sich Herpetal Complete T oder Korvimin
ZVT. Zudem sollte -vor allem in der Fortpflanzungszeit- den Weibchen
Kalzium in Form von fein geriebener Sepiaschale (oder ähnlichem) zur Verfügung
stehen.
Zucht:
Kurz nach der Winterruhe erkennt man die Paarungsbereitschaft der Männchen
anhand deren leisem Zwitschern.
(Aufnahme St. petrii: http://www.gekkota.com/html/sounds_s__petrii.html
)
Kurz vor der Ablage schimmern die Eier deutlich durch die dünne Bauchhaut. Die
Weibchen vergraben ihre beiden hartschaligen Eier im trockenem bzw. leicht
feuchtem Sandboden. (Gelegegröße 1-2)
Köhler gibt (Inkubation von Reptilieneiern, Herpeton, Offenbach 2004)
eine Inkubationsdauer von 71 - 80 Tagen bei 28°-30° C und Rösler (Vermehrung von Geckos, Herpeton 2005) für St. sthenodactylus
42 - 69 Tage bei 26°-28° C an, während Rauh (Der Dünnfingergecko, NTV, Münster 2007) bei 27-29° C eine
Dauer von 60-70 Tage benennt.
Jens Rauh weist darauf hin, dass bei konstanten Temperaturen von 29-30°
C mehr Männchen schlüpfen.
Bei der Autorin ist 2007 -über die Zeit der Winterruhe
hinweg- im Terrarium sogar nach mehr als 120 Tagen ein Jungtier geschlüpft, die
exakte Inkubationsdauer ließ sich leider nicht nachhalten, da das Gelege
unbemerkt gelegt wurde.
Die Jungtiere der Engfingergeckos haben keine besondere Jugendfärbung und
können einzeln in kleinen Faunaboxen, unter den selben Bedingungen wie die der
Elterntiere, aufgezogen werden.
©
2008 Gabriele Lehmann - TerraSauriaTeam
danke
an Viola Fitzke für die Durchsicht und Ergänzungen