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Die Geckogattung Stenodactylus

Ordnung:               Squamanta (eigentl. Schuppenkriechtiere)
Familie:                 Gekkonidae (Geckos)
Unterfamilie:          Gekkoninae (eigentliche Geckos)
Gattung:                Stenodactylus (Eng- oder Dünnfingergeckos)
Stenodactylus affinis  Murrat 1957
Stenodactylus arabicus  Haas, 1957
Stenodactylus doriae  Blanford 1874
Stenodactylus grandiceps  Haas 1952
Stenodactylus khobarensis  Haas 1957
Stenodactylus leptocosymbotes  Leviton & Anderson 1967
Stenodactylus petrii  Anderson, 1896
Stenodactylus pulcher  Anderson, 1896
Stenodactylus sleveni  Haas 1957
Stenodactylus sthenodactylus  Lichtenstein 1823
Stenodactylus yemensis  Arnold 1980
(ehemals S.orientalis  à  Crossobamon orientalis)


Die ‚Engfingergeckos’ unterliegen derzeit keinem Schutzstatus. Sporadisch sind auf Börsen und im Handel Wildfänge (WF) zu erwerben.
Besonders einem Einsteiger in die Terraristik sei jedoch empfohlen, auch weite Strecken für den Erwerb von Nachzuchten (NZ) in Kauf zu nehmen. Bei einem Züchter kann man sich nicht nur von dem Zustand der Elterntiere überzeugen und die Terrarienanlage begutachten, sondern erhält Tipps aus der Haltungspraxis.
Bei WF ist nicht nur das Alter unbekannt, sondern die Tiere leiden häufig unter Flüssigkeitsmangel , sind sehr gestresst und anfällig (durch Transport und nicht tiergerechter Zwischenhaltung). Zudem sind sie meist durch Parasiten belastet. Gerade bei der Größenordnung der Zwerggeckos ist eine Behandlung und exakte Dosierung der dann erforderlichen Medikamente schwierig.

Fotos alle: Dirk Borgert (Coesfeld)
Stenodactylus sthenodactylus
Lichtenstein 1823

Stenodactylus sthenodactylus LICHTENSTEIN 1823 werden 9 cm (GL) lang, wobei die wesentlich zierlicheren Männchen selten die 7 cm Grenze überschreiten. Adulte Männchen erkennt man darüber hinaus recht gut an den verdickten Hemipenistaschen.

Der Kopf ist kurz und breit, die Schnauze stumpf. Die auffällig großen Augen haben eine schlitzförmige Pupille. Auffallend ist die stumpfe Schwanzspitze.
Es gibt Farbvariationen in allen Beige-, Grau-, Rot- und Brauntönen. Der Bauch ist weißlich-cremefarben, während der Rücken netzartig gezeichnet ist.

(Bilder http://www.gekkota.com/html/s__sthenodactylus.html - http://www.nephrurus.org/geck_stenodactylus_sthenodactylus.htm )

Der ebenfalls häufiger im Handel auftauchenden Stenodactylus petrii, - der in Teilen im gleichen Verbreitungsgebiet, aber auf Sandböden lebt,- unterscheidet sich durch eine transparentere Haut, die laterale Bauchfärbung und einen dünneren Schwanz.

(Bilder: http://www.gekkota.com/html/s__petrii.html - http://www.nephrurus.org/geck_stenodactylus_petrii.htm )
Die verschiedenen Arten sind vom aufmerksamen Beobachter recht gut zu unterscheiden.

Der lebhafte Stenodactylus sthenodactylus LICHTENSTEIN 1823 bewohnt trockene, steinige Wüsten im nördlichen Afrika und Teilen des südwestlichen Asiens (Ägypten, Marokko, Tunesien, Lybien, Israel, Mauretanien, Äthiopien, Eritrea, Sudan, Syrien, Saudi Arabien, Nordkenia, Mali; Mauretanien, Algerien, Tunesien, Mauretanien).
Speziell diese Art der Geröll- bzw. Halbwüstenbewohner lebt häufig auf verfestigten Sandböden, seltener auf losem Sand.
Der dämmerungsaktive Stenodactylus legt sich Höhlen an, in denen er tagsüber zwar die meiste Zeit verbringt, ist aber häufig besonders in den frühen Morgenstunden oder bereits während der Dämmerung am frühem Abend zu sehen und somit gut zu beobachten.

Engfingergeckos sind stressanfällig und sollten möglichst wenig angefasst oder umgesetzt werden, verlieren aber schnell ihre Scheu vor dem beobachtendem Pfleger.

 Terrarienhaltung

S. Sthenodactylus
St. sthenodactylus   (Foto Sebastian Schenk)

 Maße und Besatz:

Gemäß Mindestgutachten des Ministeriums (1998) errechnet sich die Größe eines Terrariums für bodenbewohnende Geckos mit 4x3x2 der Kopfrumpf-Länge (KRL), für jedes weitere Tier sind 15 % der Grundfläche hinzu zu rechnen. Persönlich dienen uns diese Angaben lediglich als vager Richtwert in Verbindung mit der Gesamtlänge (GL) der zu haltenden Arten.

Empfehlenswert ist es pro Dünnfinger-Männchen mindestens 3, besser 5 (oder mehr) Weibchen in einem Terrarium von mindestens 60 x 40 x 40 cm zu halten. So verteilt sich die Aufmerksamkeit der recht aufdringlichen Kerlchen auf mehre Weibchen, so dass diese nicht ganz so belastet werden. Zudem lassen sich die benötigten Temperatur- und Feuchtigkeitsregionen, sowie Rückzugsmöglichkeiten besser realisieren.

Eine Vergesellschaftung zweier Männchen in einem wesentlich größerem Terrarium bei genügend Sichtschutz und guter Strukturierung ist nur bedingt machbar, da die Engfingergeckos sich zwar nicht beißen, treffen sie jedoch aufeinander, erfolgen Drohgebärden; häufig sind auch Anzeichen von Verfolgungsjagden und Rangeleien zu erkennen, die bei den empfindlichen Tieren zu enormem Stress führen.


Terrarieneinrichtung:

Der Bodengrund besteht aus einer relativ hohen Schicht Sand-Lehmgemisch, dazu sind Korkrindenstücke und Äste/Wurzeln, Steine und kleine Höhlen als Verstecke eingebracht.
Entgegen vieler Literaturangaben klettern Stenodactylus auch häufig auf den angebotenen nicht zu steilen, aber gut strukturierten sandrauhen Rück- und Seitenwänden.
Insbesondere halten sich unsere Stenodactylus sthenodactylus gerne in den dort eingebauten schmalen Spalten auf, die ihnen Deckung und Schutz bieten.
Evt. Steinaufbauten sind -wegen der Gefahr des Unterbuddelns durch die Pfleglinge- unbedingt penibel gegen Einstürzen zu sichern !


Unter einem Spotstrahler sollte sich ein Stein oder eine Steinplatte befinden, welche/r sich in der Strahlungswärme aufheizen und als Sonnenplatz dienen kann.
Ebenso ist eine etwas feuchtere und kühlere Ecke (ca. 22 – 25° C) im Terrarium zu schaffen. Eine kleine, sehr flache Wasserschale (Gefahr des Ertrinkens !), sowie Thermo- und Hygrometer sollten nicht fehlen.


Temperaturen & Beleuchtung:

tagsüber lokaler Sonnenplatz nachts
~ 25-28° C 38 - 45° C ~18 - 22°C  (Zimmertemperatur)

Eine zeitweise, etwas stärkere Nachtabkühlung mindert den Paarungstrieb etwas,

so dass die Weibchen auch zwischendurch zur Ruhe kommen.

- Winterruhe ca. : 4-8 Wochen (davon etwa 4 Wochen deutlich unter 20°)

Im Terrarium befindet sich ein 40 Watt-Wärmespot in einer abwinkelten Fassung, zusätzlich sollte das Terrarium durch eine Leuchtstoffröhre oder eine andere, weitere Lichtquelle ausgeleuchtet werden. Für die dämmerungsaktiven Geckos ist keine UV-Bestrahlung notwendig.
Je nach Jahreszeit variiert die Beleuchtungsdauer zwischen 8 und 14 Stunden, während der Winterruhe fehlt sie gänzlich. Der natürliche Tag/ Nachtrhythmus wird lediglich durch das einfallende natürliche Tageslicht simuliert.

Luftfeuchtigkeit:

tagsüber nachts
~ 35 - 50 % rel. LF ~ 60 - 75 % rel. LF

Es wird etwa alle 2 Tage abends (immer von der gleichen Seite des Terrariums) gesprüht, so dass verschiedene Feuchtigkeitszonen entstehen, beide Ecken dieser Terrarienseite werden jedoch dauerhaft feucht gehalten.
 
Ernährung (insectivor):

- kleine Grillen oder Heimchen, Ofenfischchen, Spinnen, Nachtfalter, Schaben, Mikroheuschrecken, Fliegen etc.. Die Größe der Futtertiere sollte entsprechend der geringen Größe der Geckos angepasst sein.

- Es ist sehr wichtig, die Futtertiere vitaminreich zu ernähren, aber auch den ‚Wüsten’-Zwerggeckos regelmäßig ein Vitamin-Mineralien-Produkt zukommen zu lassen.
Für die Supplementierung empfiehlt sich Herpetal Complete T oder Korvimin ZVT. Zudem sollte -vor allem in der Fortpflanzungszeit- den Weibchen Kalzium in Form von fein geriebener Sepiaschale (oder ähnlichem) zur Verfügung stehen.

Zucht:

Kurz nach der Winterruhe erkennt man die Paarungsbereitschaft der Männchen anhand deren leisem Zwitschern.

(Aufnahme St. petrii: http://www.gekkota.com/html/sounds_s__petrii.html )

Kurz vor der Ablage schimmern die Eier deutlich durch die dünne Bauchhaut. Die Weibchen vergraben ihre beiden hartschaligen Eier im trockenem bzw. leicht feuchtem Sandboden. (Gelegegröße 1-2)
Köhler gibt (Inkubation von Reptilieneiern, Herpeton, Offenbach 2004) eine Inkubationsdauer von 71 - 80 Tagen bei 28°-30° C und Rösler (Vermehrung von Geckos, Herpeton 2005) für St. sthenodactylus 42 - 69 Tage bei 26°-28° C an, während Rauh (Der Dünnfingergecko, NTV, Münster 2007) bei 27-29° C eine Dauer von 60-70 Tage benennt.
Jens Rauh weist darauf hin, dass bei konstanten Temperaturen von 29-30° C mehr Männchen schlüpfen.
Bei der Autorin ist 2007 -über die Zeit der Winterruhe hinweg- im Terrarium sogar nach mehr als 120 Tagen ein Jungtier geschlüpft, die exakte Inkubationsdauer ließ sich leider nicht nachhalten, da das Gelege unbemerkt gelegt wurde.

Die Jungtiere der Engfingergeckos haben keine besondere Jugendfärbung und können einzeln in kleinen Faunaboxen, unter den selben Bedingungen wie die der Elterntiere, aufgezogen werden.


© 2008  Gabriele Lehmann - TerraSauriaTeam
danke an
Viola Fitzke  für die Durchsicht und Ergänzungen
Diskussion
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