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Autor Thema: Erfahrungsbericht: Futterverweigerung bei jungen Kornnattern  (Gelesen 583 mal)
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Würmchen
Nachwuchsmod
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Geschlecht: Weiblich
Ort: Kamen
DGHT Mitglied: Ja
Reptilienhalter seit: 2006
Tierbestand: 0.1 Pogona vitticeps, 0.2 Pantherophis guttatus, 1.0 Katerus Kim, so'n paar Mäuse (mal mehr, mal weniger) und was alles so dazu gehört.
Nachzuchten: 0.0.4 P. guttatus
Beiträge: 472



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« am: 15. Januar 2008, 18:01:00 »

Besonders häufig verweigern Jungschlangen die erste Nahrungsaufnahme. Die Gründe hierfür können ganz unterschiedlich sein. Zunächst muss beachtet werden, dass man Jungschlangen erst füttern darf, wenn diese ihre erste Häutung vollzogen haben. Dies geschieht ca. eine Woche nach dem Schlupf. Als erste Nahrung dienen den Tieren nestjunge Babymäuse, ca. 1-3 Tage alt. Diese können nach Möglichkeit lebend oder als aufgetautes Frostfutter angeboten werden. Beim Frostfutter muss darauf geachtet werden, dass das Futtertier komplett aufgetaut ist und eine Temperatur hat, die einer lebenden Maus nahe kommt, sprich ca. 30-35°C.
Je nach dem, ob die Tiere einzeln oder in Gruppen zusammen gehalten werden, muss die Fütterungsstrategie angepasst werden. Bei der Einzelhaltung ist es möglich, das Futtertier einfach in den Behälter der Schlange zu geben und die Schlange in Ruhe an die Maus gehen zu lassen. Hierbei ist es egal, ob man dem Tier eine lebende oder eine tote Maus reicht, da nestjunge Mäuse der Schlange noch keine Verletzungen zufügen können. Jedoch sollte man hier den Bodengrund beachten, sollte schon richtiger Bodengrund, wie Buchenspähne, Pinienrinde, Kleintierstreu oder ähnliches im Behälter vorhanden sein, muss man sicher stellen, dass das Tier bei der Fütterung nichts von dem Substrat verschlucken kann. Der Vorteil bei der Einzelhaltung und somit auch bei der Einzelfütterung besteht darin, dass das Tier durch ein Herausnehmen zur Fütterung nicht vom Halter gestresst wird.

Bei der Haltung von mehreren Jungschlangen in einem Behälter ist es ratsam, die Tiere zur Fütterung zu trennen, da es sonst passieren kann, dass sich zwei oder mehrere Tiere in ein Futtertier verbeißen, was im schlimmsten Fall zum Tod eines oder mehrere Tiere führen kann, wenn die Tiere nicht getrennt werden können und sich somit gegenseitig auffressen.
Die Fütterung sollte in einem kleinen Transportbehälter (10cm x 20cm x 5cm) oder in deiner Heimchenbox erfolgen, pro Box ein Tier, in dem entweder das Futtertier schon drin ist oder nachträglich nachgesetzt wird.

Trotz der oben aufgeführten Maßnahmen kann es passieren, dass die Tiere nicht fressen.
Gründe Hierfür können sein:
- Zu warme oder zu kalte Haltungsbedingungen in den Aufzuchtterrarien
- Unzureichende Verstecke, in denen sich die Tiere nach der Fütterung zurückziehen können
- Zu häufiges Stören durch den Halter
- Man gibt den Tieren nicht genug Zeit zum Fressen
- Die Tiere wollen einfach, aus ungeklärtem Grund, nicht an die Nahrung gehen
- Die Tiere haben Parasiten oder ähnliche Krankheiten, was man aber bei frisch geschlüpften Schlangen meist ausschließen kann, da die meisten Parasiten wie Flagellaten oder Samonellen durch die Nahrungsaufnahme in die Tiere gelangen, was nicht der Fall sein kann, wenn die Tiere noch keine Nahrung zu sich genommen haben.
Stimmen alle angeforderten Parameter und die Tiere verweigern trotzdem, so muss man versuchen, die Tiere anderweitig zum Fressen zu animieren.

Häufig brauchen junge Kornnattern einige Zeit und Ruhe, bis sie das Futtertier verschlingen. Deshalb sollte man, wenn man das Futtertier reicht, das Tier vorerst einige Stunden alleine mit dem Tier lassen, soweit es dieses nicht sofort verschlingt. Ich habe meine Nachzuchten am Anfang meist über Nacht mit der Maus und einem zerknüllten Zewa in der Box an einem ruhigen Ort stehen lassen, so dass die Tiere Zeit genug hatten, das Tier zu fressen. Man kann zusätzlich diese Box noch mit einem luftdurchlässigen Tuch überdecken, um dem Tier das Gefühl von Sicherheit und Schutz zu bieten.
Bei Tieren, bei denen diese Methode nicht funktioniert, sollte man versuchen, die Tiere durch Bewegungen mit der Maus oder dem Anstupsen mit der Maus an den Flanken ("Provozieren") der Kornnatter ans Fressen zu bekommen. Durch das Reinbeißen in die Maus wird somit automatisch der Würgereflex bei der Schlange ausgelöst. Hierbei ist zu beachten, dass auch das Provozieren und die Bewegungen mit dem Futtertier irgendwann seine Grenze hat und man das Tier nicht dadurch zu sehr stressen darf.
Generell gilt: Sollte das Tier nach dem ersten Anbieten der Nahrung nicht gefressen haben, darf man nicht am nächsten Tag sogleich wieder einen Fütterungsversuch starten, sondern muss dem Tier einige Tage Ruhe gönnen.
Weitere Maßnahmen, die in beliebiger Reihenfolge angewendet werden können und je nach Tier zum Erfolg führen, sind folgende:
-   Man versucht, das Futtertier in das Versteck der Schlange oder unter einer Versteckmöglichkeit anzubieten, das die Schlangen sich somit beim Fressen geschützter fühlen.
-   Man verwittert die Maus mit dem Geruch einer Echse.
-   Die Jungschlange mit dem (nach Möglichkeit) lebenden Futtertier in eine sehr kleine Box stecken und an einem ruhigen Ort über Nacht aufbewahren. Die kleine, sich noch bewegende Maus, provoziert die Schlange zum Zubeißen.
-   Man öffnet der Maus mit einem Messer die Schädeldecke oder dem Magen (Bitte nur bei toten Futtertieren machen!!!) Beim Öffnen der Schädeldecke tritt Gehirnflüssigkeit aus, die von den Schlangen als besonders appetitanregend wahrgenommen wird. Wenn der Magen geöffnet wird, reicht es meist, wenn hier einfach nur Blut austritt, um die Schlangen zum Fressen zu animieren.
-   Häufig helfen auch frisch geschlüpfte Zebrafinken zum Fresserfolg.
-   Man beträufelt die Maus mit ein paar Fettaugen von einem abgekochten, frischen Stück Huhn. Es reicht hier einfach einen Hähnchenschenkel zu kaufen, diesen abzukochen und die dabei entstehenden Fettaugen zu nutzen.
-   Eine weitere Möglichkeit wäre auch, von einem tiefgefrorenem Küken ein Stück vom Flügel abzuschneiden und als erste Nahrung zu reichen.
- Auch eine kurze und milde  Winterruhe von ca. 2 Wochen kann bei hartnäckigen Futterverweigern zum Fresserfolg führen.
Sollte keine der oben aufgeführten Maßnahmen zum Erfolg führen, bleibt als letzte Möglichkeit leider nur noch die Zwangsfütterung. Diese sollte jedoch erst nach einem Fütterungsversuchszeitraum von 4-6 Wochen durchgeführt werden und auch nur, wenn es wirklich keine Möglichkeit mehr gibt, das Tier selbstständig ans Fressen zu bekommen. Die Zwangsfütterung sollte man sich als unerfahrener Schlangenhalter von einem reptilienkundigen Tierarzt oder einem erfahrenen Halter zeigen lassen. Man muss hierbei weiter beachten, dass die Zwangsfütterung mit ernormen Stress für das Tier verbunden ist und somit die Nahrung meist nicht so gut verwertet werden kann, wie bei einer selbstständigen Fütterung.

Zu meinen Erfahrungen bei der Ernährung der jungen Kornnattern:
Bei meinen Jungtieren hatte ich zwei Tiere dabei, die nicht selbstständig fressen wollten. Eines davon konnte ich zwei Mal durch das "Provozieren" mit der Maus zum Fressen animieren. Das andere Jungtier ging weder bei geöffneter Schädeldecke, noch beim Provozieren, nicht bei lebenden Mäusen und auch nicht bei einer Verweilung über Nacht an das Futtertier. Ich habe beide die Tiere dann einzeln gesetzt und nach ca. 4 Wochen dem Tier, das gar nicht fressen wollte, ein Stück Mäuseschwanz einer ausgewachsenen tiefgekühlten Maus in den Rachen gestopft und dies noch im Abstand von einer Woche zwei Mal wiederholt, damit die Schlange überhaupt etwas an Nahrung aufnimmt. Erst dann habe ich durch Erfragen in einem anderen Forum die Methode mit dem Fettaugen mitgeteilt bekommen. Habe dann beim nächsten Versuch einen Hähnchenschenkel gekocht und die Maus damit beträufelt, zudem habe ich mir noch Eintagsküken gekauft und ein Stück vom Flügel abgeschnitten und eine Maus ohne welche „Behandlungen“ einfach in der Mitte geteilt, so dass der Mageninhalt fast frei war. Ich habe der Schlange als erstes die halbe Maus gereicht, welche sofort mit hohem Interesse bezüngelt wurde und auch verschlungen wurde. Die andere Hälfte habe ich der Schlange gereicht, die bisher nur durch das Provozieren an die Maus ging, diese Methode aber auch nach einiger Zeit einstellte. Die mit Fettaugen beträufelte Maus habe ich dann gar nicht mehr gereicht, ebenso nicht das Stück Kükenflügel. Die nächsten 2 Wochen habe ich die Tiere immer jeweils mit einer halben Maus gefüttert, anschließend nur noch mit angeschnittenen ganzen Mäusen. Mittlerweile nehme ich die Schlangen zum fressen aus ihrem Terrarium und setze sie, wie alle anderen Schlangen auch, zum Fressen in eine Box und gewöhne die Tiere langsam daran, unpräparierte Mäuse zu fressen, bisher mit Erfolg.


Literaturquellen:

Schmidt, W. (2004): Kornnattern, Natur und Tier-Verlag
Köhler, G., Berg, P.: Kornnattern. Lebensweise, Pflege, Zucht, Erkrankungen, Herpeton Verlag
« Letzte Änderung: 15. Januar 2008, 18:04:28 von Würmchen » Gespeichert

Das Denken ist zwar allen Menschen erlaubt, aber vielen bleibt es erspart.

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